… statt “View down” heißt für mich jetzt die Devise, denn ich geb dem Jahr 2015 jetzt nochmal die Chance, die restlichen 9 1/2 Monate etwas netter zu mir zu sein … ;-)

160315

Ihr habt ja gemerkt, dass es hier in letzter Zeit kaum was Neues zu lesen gab, weil mir einfach die Energie dazu fehlte. Ob ich den Quizzy-Blog überhaupt weiterführen werde, steht noch in den Sternen – als mein persönliches “München-Archiv” bleibt er aber auf jeden Fall im Netz bestehen.

Beim “Montagsherzerl” möchte ich mich aber mit diesem Beitrag endgültig verabschieden und ich danke Frau Waldspecht ganz herzlich für diese wunderschöne Aktion.

Während wie jedes Jahr am 2. Februar in den USA das “Murmeltier-Orakel” befragt wird, um zu erfahren, wie lang der Winter noch dauert, freue ich mich, dass die Tage nun deutlich länger werden und ich nun morgens wieder bei Tageslicht zur Trambahn gehen kann.

IMG_0132

Die Rückkehr des Lichts feierten bereits die Kelten in vorchristlicher Zeit mit ihrem Fest “Imbolc”, das genau 40 Tage nach der Wintersonnenwende stattfand.

image

Auch wenn der tägliche Weg zur Arbeit immer derselbe ist, so ändert sich im Jahresverlauf doch die Natur rundherum, was ich anhand dieses Fotomotivs festhalten möchte.

Als der Maler Friedrich August von Kaulbach 1878 das hübsche Biermadl Coletta Möritz an ihrem Arbeitsplatz im Sterneckerbräu entdeckte und kurzerhand auf die Leinwand bannte, hätte er sich wohl kaum träumen lassen, dass ihr Konterfei noch heute die Wirtshausstuben schmückt.

P1060127

Das am 19. September 1860 im Landkreis Aichach als uneheliches Kind geborene Mädel erhielt bei ihrer Taufe den Namen der heiligen Nicoletta. Ihre Mutter zog bald nach München und ließ die Tochter bei den Armen Schulschwestern am Anger in die Schule gehen. Danach erlernte sie den Beruf der Kellnerin und machte – nicht zuletzt wegen ihrer für die damalige Zeit ziemlich freizügigen Darstellung der “Schützenliesl” – eine steile Karriere. 1882 heiratete sie den Gastronomen Franz Xaver Buchner, bewirtschaftete mit ihm verschiedene bekannte Brauereien und Gaststätten in München und wurde später sogar eine beliebte Festwirtin auf dem Oktoberfest.

IMG_0123

Es wäre naheliegend, die Sichel in der Hand der weiblichen Figur als Halbmond zu deuten, zumal sich dieser markante Fassadenschmuck in der Türkenstraße 16 befindet. Betrachtet man aber die Figur an der anderen Ecke des Gebäudes etwas genauer, so kann man eine Kette und ein Pferd erkennen, womit eindeutig der Heilige Leonhard gemeint ist, der wie sein weibliches Pendant Notburga vor allem von der ländlichen Bevölkerung verehrt wurde.

Das heute als “Officium” bezeichnete Gebäude wurde nämlich vor fast 100 Jahren als “Haus der landwirtschaftlichen Genossenschaften”” erbaut. Bis 1977 war dort der Sitz des Bayerischen Raiffeisenverbands, was die volkstümlichen Heiligen an der Fassade erklärt.

Bei unserem Neujahrs-Spaziergang haben wir einige “Montagsherzerl” für Frau Waldspecht entdeckt, da der Neuschnee anscheinend Liebespaare magisch anzieht, sich dort zu verewigen.

Da mittlerweile schon wieder Tauwetter eingesetzt hat, dürften die Herzerl inzwischen geschmolzen sein – bleibt zu hoffen, dass die gegenseitigen Gefühle des Pärchens, das sich hier verewigt hat, noch etwas länger halten … ;-)

DSC09942

DSC09909

Da der Winter nun wieder eine Verschnaufpause einlegt, bietet sich für einen verregneten Sonntag der Besuch in der Ausstellung “Mit Leib und Seele” in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung an.

DSC09903

Obwohl das Fotografieren in der Ausstellung nicht erlaubt ist, habe ich mich doch getraut, ein paar Aufnahmen “aus der Hüfte” (natürlich ohne Blitz!) zu schießen, da ich die Fotos ja nicht kommerziell nutze.

DSC09905

Ziel der Ausstellung ist es, einen frischen Blick auf die Epoche des Rokoko zu werfen und den damaligen Zeitgeist und seine Glaubenswelt erlebbar zu machen.

DSC09908

Die Ausstellung widerlegt in überzeugender Weise das Vorurteil, die Kunst des Rokoko als kitschig oder überladen zu betrachten. Vielmehr ist es den Künstlern gelungen, ihren körperbetonten Figuren Ausdruck und Seele einzuhauchen.

Bei traumhaftem Wetter starten wir in das neue Jahr mit einem Spaziergang zum Kloster Reutberg im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.

DSC09915

Natürlich waren wir nicht die einzigen Münchner Ausflügler, die an diesem herrlichen Tag das bayerische Oberland als Ziel gewählt hatten, so die Parkplätze am Bräustüberl bereits überfüllt waren.

DSC09933

Wir fuhren deshalb weiter bis zum Friedhof in dem kleinen Dorf Sachsenkam, der sich als Ausgangspunkt für eine Wanderung rund um den Kirchsee anbietet.

DSC09931

Der See hat erst eine hauchdünne Eisschicht, so dass die Schlittschuhläufer noch etwas Geduld brauchen.

DSC09938

Das Bergpanorama im Hintergrund und der glitzernde Neuschnee sorgte für unzählige Fotomotive.

DSC09920

Dieses Marterl am Weg erinnerte daran, dass es langsam Zeit zur Einkehr wurde.

DSC09984

Das Maria Verkündigung geweihte Kloster wurde 1618 durch Johann Jakob und Anna von Papafava, Hofmarksherren von Reichersbeuern und Sachsenkam, zunächst als Kapuzinerinnenkloster gegründet, die Ordensmitglieder wechselten jedoch 1651 zu den Franziskanerinnen. Obwohl das Kloster 1803 im Zuge der Säkularisation aufgelöst wurde, blieben die Kirche und das Klostergebäude erhalten. 1835 erlaubte König Ludwig I. von Bayern die Wiedererrichtung des Klosters und die Einrichtung einer Mädchenschule, die von 1837 bis 1958 bestand.

DSC09968

Da die im Jahr 1677 von den Franziskanerinnen gegründete Brauerei noch heute als Genossenschaft besteht, kam auch das leibliche Wohl nicht zu kurz … ;-)

DSC09973-1

Übersetzung: “Lieber verrenkt sich (der Bayer) den Magen, als dem Wirt was zu schenken”

DSC09979-1

Inzwischen hatte sich der Himmel schon rosa verfärbt und es war merklich kühler geworden.

DSC09990

Während der fast volle Mond schon aufgegangen war, stapften wir bei klirrender Kälte zurück zum Parkplatz – sche war’s! :-)

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 164 Followern an