K wie Kunst & Kirchen


Anlässlich ihrer 100. Ausstellung hat sich die Hypo-Kunsthalle etwas Außergewöhnliches einfallen lassen: In einer multi-medialen Präsentation zeigte Jean-Paul Gaultier einen Querschnitt seines kreativen Schaffens

Durch Projektionen bekamen die Modepuppen lebendige Gesichter und sprachen die Besucher mit ihrer witzigen Mimik direkt an.

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Den letzten Raum widmete der Designer den Münchnern ganz persönlich – anscheinend fühlt auch er sich unter’m weiß-blauen Himmel wohl 🙂

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Da der Winter nun wieder eine Verschnaufpause einlegt, bietet sich für einen verregneten Sonntag der Besuch in der Ausstellung „Mit Leib und Seele“ in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung an.

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Obwohl das Fotografieren in der Ausstellung nicht erlaubt ist, habe ich mich doch getraut, ein paar Aufnahmen „aus der Hüfte“ (natürlich ohne Blitz!) zu schießen, da ich die Fotos ja nicht kommerziell nutze.

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Ziel der Ausstellung ist es, einen frischen Blick auf die Epoche des Rokoko zu werfen und den damaligen Zeitgeist und seine Glaubenswelt erlebbar zu machen.

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Die Ausstellung widerlegt in überzeugender Weise das Vorurteil, die Kunst des Rokoko als kitschig oder überladen zu betrachten. Vielmehr ist es den Künstlern gelungen, ihren körperbetonten Figuren Ausdruck und Seele einzuhauchen.

Bei traumhaftem Wetter starten wir in das neue Jahr mit einem Spaziergang zum Kloster Reutberg im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.

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Natürlich waren wir nicht die einzigen Münchner Ausflügler, die an diesem herrlichen Tag das bayerische Oberland als Ziel gewählt hatten, so die Parkplätze am Bräustüberl bereits überfüllt waren.

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Wir fuhren deshalb weiter bis zum Friedhof in dem kleinen Dorf Sachsenkam, der sich als Ausgangspunkt für eine Wanderung rund um den Kirchsee anbietet.

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Der See hat erst eine hauchdünne Eisschicht, so dass die Schlittschuhläufer noch etwas Geduld brauchen.

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Das Bergpanorama im Hintergrund und der glitzernde Neuschnee sorgte für unzählige Fotomotive.

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Dieses Marterl am Weg erinnerte daran, dass es langsam Zeit zur Einkehr wurde.

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Das Maria Verkündigung geweihte Kloster wurde 1618 durch Johann Jakob und Anna von Papafava, Hofmarksherren von Reichersbeuern und Sachsenkam, zunächst als Kapuzinerinnenkloster gegründet, die Ordensmitglieder wechselten jedoch 1651 zu den Franziskanerinnen. Obwohl das Kloster 1803 im Zuge der Säkularisation aufgelöst wurde, blieben die Kirche und das Klostergebäude erhalten. 1835 erlaubte König Ludwig I. von Bayern die Wiedererrichtung des Klosters und die Einrichtung einer Mädchenschule, die von 1837 bis 1958 bestand.

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Da die im Jahr 1677 von den Franziskanerinnen gegründete Brauerei noch heute als Genossenschaft besteht, kam auch das leibliche Wohl nicht zu kurz … 😉

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Übersetzung: „Lieber verrenkt sich (der Bayer) den Magen, als dem Wirt was zu schenken“

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Inzwischen hatte sich der Himmel schon rosa verfärbt und es war merklich kühler geworden.

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Während der fast volle Mond schon aufgegangen war, stapften wir bei klirrender Kälte zurück zum Parkplatz – sche war’s! 🙂

Auf dem Weg zum „Weihnachtsmarktl“ in Markus Wasmeiers Museumsdorf entdeckten wir bei einem Spaziergang am Schliersee dieses Kunstwerk im See.

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Anlässlich des Schlierseer Kultur-Herbsts mit dem Thema „Menschen und Götter am See“ gestaltete der Bildhauer Otto Wesendonck diese Skulptur, die sich frei im Wind bewegt.

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Auf dem stimmungsvollen Weihnachtsmarkt wird Kunsthandwerk in den historischen Gebäuden angeboten, so dass niemand frieren muss.

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Mit diesen „Modeln“ stellte man Weihnachtsgebäck her, das auch als Baumschmuck diente.

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Vielleicht sollte man dieses Kraut großflächig anbauen 😉

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Natürlich fehlten auch die Kripperl nicht, wo in alpenländischer Tradition die Weihnachtsgeschichte in den Bauerndörfern stattfindet.

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Auch wenn das Schreiben heutzutage nicht mehr so anstrengend wie im Mittelalter ist, hat es jetzt doch zwei Wochen gedauert, bis ich endlich den geplanten Beitrag über einen Studientag zur Romanik in Regensburg veröffentliche.

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Da München zur Zeit des Frühmittelalters gerade erst gegründet war und damals zum Großteil aus Holzhütten bestand, muss man sich schon in eine der damals wichtigsten Metropolen Europas begeben, um romanische Bauten zu erkunden.

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Nicht nur Karl der Große und viele andere bedeutende Herrscher besuchten im Mittelalter die Stadt an der Donau, sie zog auch irische Wandermönche an, die über Schottland auf das Festland kamen und in Regensburg ihr Mutterkloster St. Jakob gründeten.

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Diese Reliefplastik zeigt den Mönch namens Rydan, der vermutlich tatsächlich gelebt hat und sich durch den Schlüssel als Baumeister oder Pförtner des Klosters ausweist.

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(Klick ins Foto zum Vergrößern

In keinem anderen Ort Deutschlands ist ein vergleichbares romanisches Portal erhalten, nur das benediktinische Kloster Santa Maria de Ripoll in Katalonien besitzt ein ähnlich kunstvolles Relief aus dem 12. Jahrhundert an seiner Eingangsfront.

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Die Figuren an dem als „Schottenportal“ bekannten Relief am Eingang der Kirche sind heute nicht mehr leicht zu deuten, vermutlich handelt es sich um die Vorstellung von Himmel und Hölle …

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… und mythologische Tieren als Symbole der Todsünden.

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Eine noch ältere Geschichte hat das ehemalige Benediktinerkloster St. Emmeram, das seit Anfang des 19. Jahrhunderts der Familie Thurn und Taxis als Fürstensitz dient.

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In der Kirche sind noch drei Krypten aus dem 8., 10. und 11. Jahrhundert erhalten, die diesen Ort zu einem einzigartigen Zeugnis der Romanik in Deutschland machen.

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Als Bischofssitz stand Regensburg jahrhundertelang mit seinen Bauvorhaben in einer gewissen Rivalität zu den Klöstern, ein Beispiel dafür ist die romanische Allerheiligenkapelle am Domkreuzgang.

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Dass zu dieser Zeit italienische Baumeister mit dem Bau betraut waren, erkennt der Architekturstudent am „lombardischen Bogenfries“, der uns als eindeutiges Zeichen für die Romanik erklärt wurde.

In meinem letzten Beitrag habe ich ja schon angedeutet, dass man auf alten Grabsteinen viele Symbole erkennen kann, deren Bedeutung heute kaum jemand mehr kennt. So galt der Mohn bereits in der Antike wegen seiner berauschenden und einschläfernden Wirkung als Zwillingsbruder des Todes. Dieses Symbol wurde zu Beginn des 19. Jahrhundert vom Klassizismus wieder aufgenommen, wo die auf Grabmalen häufig dargestellte Pflanze einen sanften Tod symbolisierte.

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Ebenfalls seit der Antike wird der Schmetterling als ein Symbol für die Seele verwendet, da er während seines Lebens eine Metamorphose von einer Raupe zur Puppe und schließlich zu einem erwachsenen Falter durchläuft. Die Raupe ist ein Symbol für das mühsame irdische Dasein der Menschen, das mit der Verpuppung sein Ende findet. Der Falter, der aus der scheinbar leblosen Puppe schlüpft, symbolisiert die den Tod überwindende Seele.

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Auch die Bepflanzung der Gräber kann als Symbol gedeutet werden, z. B. steht der immergrüne Efeu auf dem Friedhof für Unsterblichkeit und ewiges Leben.

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Engel gelten als Sinnbild für die Wegbegleitung, die Flügel der Engel erinnern an den Götterboten Hermes.

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Auch Farben können eine Symbolkraft haben, so steht Lila für die Farbe der Trauer und des Todes.

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Bäume als Symbolpflanzen gehörten schon in der Antike zur Ausstattung der Grabgärten. Bei den Germanen galten Bäume als Sitz des Göttlichen und auch die Kelten verehrten bestimmte Bäume als mystische Wesen und nutzten die Eiben zur Abwehr gegen bösen Zauber.

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Genauso wie die Schlange, die sich in den Schwanz beißt, bilden hier drei Fische einen Kreis als Symbol der Unendlichkeit, können aber auch im christlichen Sinn die Dreieinigkeit symbolisieren.

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Dagegen soll die Schlange auf diesem schmiedeeisernen Grabdenkmal wohl nur an das Märchen „Das Natterkrönlein“ von Ludwig Bechstein erinnern …

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… es kann aber auch ein geheimnisvoller Hinweis sein, den wir heute nicht mehr entschlüsseln können.

Obwohl schon lange niemand mehr auf dem Alten Südlichen Friedhof bestattet wird, übt er doch einen morbiden Charme aus und es läuft mir beim Spaziergang der eine oder andere Schauer über den Rücken.

Dieses reich verzierte Gesicht, das ich dort für Ruthies Projekt „I see faces“ entdeckt habe, schaut dagegen sehr harmlos aus. Der Grund dafür könnte ja die berauschenden Wirkung dieser Mohnkapsel sein, die man wie viele weitere Symbole auf den Grabdenkmälern des 19. Jahrhunderts findet.

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