P wie Persönlichkeiten


Am Samstag hatte ich das Vergnügen, unserem Enkel bei einem Fußball-Junior-Turnier zuschauen zu dürfen.

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Die Spielfreude der Kleinen war einfach mitreißend, so dass manche Väter ihre Jungs schon im Profi-Kader des FC Bayern sehen … 😉

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Als der Maler Friedrich August von Kaulbach 1878 das hübsche Biermadl Coletta Möritz an ihrem Arbeitsplatz im Sterneckerbräu entdeckte und kurzerhand auf die Leinwand bannte, hätte er sich wohl kaum träumen lassen, dass ihr Konterfei noch heute die Wirtshausstuben schmückt.

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Das am 19. September 1860 im Landkreis Aichach als uneheliches Kind geborene Mädel erhielt bei ihrer Taufe den Namen der heiligen Nicoletta. Ihre Mutter zog bald nach München und ließ die Tochter bei den Armen Schulschwestern am Anger in die Schule gehen. Danach erlernte sie den Beruf der Kellnerin und machte – nicht zuletzt wegen ihrer für die damalige Zeit ziemlich freizügigen Darstellung der „Schützenliesl“ – eine steile Karriere. 1882 heiratete sie den Gastronomen Franz Xaver Buchner, bewirtschaftete mit ihm verschiedene bekannte Brauereien und Gaststätten in München und wurde später sogar eine beliebte Festwirtin auf dem Oktoberfest.

Dank meiner lieben Freundin, die nicht nur die Teekultur pflegt, sondern auch eine begnadete Bridge-Spielerin ist, hatte ich gestern das Vergnügen, beim jährlichen Silbertee im Kaisersaal der Residenz teilnehmen zu dürfen.

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Bereits zum 65. Mal lud gestern der Deutsch-Amerikanische Frauenclub München e. V. zu dieser Wohltätigkeitsveranstaltung, um mit Spenden den Studentenaustausch mit den USA und karitative Einrichtungen im Raum München zu unterstützen.

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Auf der festlich gedeckten Tafel im historischen Ambiente werden die von den Damen des Clubs selbst zubereiteten Kanapees auf Silberplatten präsentiert.

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Und so öffnen sich jedes Jahr die prächtig mit Stuckmarmor und Scagliola verzierten Portale des Kaisertrakts der Residenz für die Gäste aus Politik, Wirtschaft und der feinen Münchner Gesellschaft … und vielleicht darf ich ja im nächsten Jahr auch wieder dabei sein! 🙂

P1050549 Die Blätter fallen,
fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln
ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten
fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen.
Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an:
es ist in allen.

Und doch ist Einer,
welcher dieses Fallen
unendlich sanft
in seinen Händen hält.

Mit diesen wunderbaren Worten hat Rainer Maria Rilke in seinem 1902 erschienene Gedicht nicht nur den Herbst beschrieben, sondern er vergleicht die Jahreszeit auch mit der Vergänglichkeit des Lebens.

Die Gedenktafel ist in der Ainmillerstraße 34 zu finden, wo er bis zu seiner Auswanderung in die Schweiz gewohnt hatte.

Dass sich der Schriftsteller und Lyriker bereits zu Lebzeiten mit dem eigenen Tod auseinandergesetzt hat, zeigt sich daran, dass er sich selbst seine Grabstätte in Raron im Schweizer Kanton Wallis ausgesucht hat.

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Das Grab befindet sich an der Mauer der spätmittelalterlichen Kirche, die hoch über dem Ort auf einem Burghügel thront, …

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… und ist bereits von weitem mit guten Augen (oder einem ausreichenden Tele) zu erkennen.

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Nach dem „Bierengel“ der vergangenen Woche zeige ich diesmal für Sabienes Traumalbum einen Engel aus der Schlosskapelle Blutenburg.

Er ist Teil der spätgotischen „Verkündigungsgruppe“, die auf auf 1491 datiert wird. Der Altar wurde vermutlich von Jan Pollack, einem der bedeutendsten Künstler seiner Zeit, entworfen.

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Auf dem zweiten Seitenaltar ist Christus als Helfer der Welt zu erkennen.

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Auf dem Hauptbild des Hochaltares ist der Gnadenstuhl mit dem Fronleichnamschristus zu sehen, während auf den Flügeln des Wandelaltares die Taufe Jesu und die Krönung Mariens durch die Heilige Dreifaltigkeit dargestellt wird.

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Pünktlich zum Herbstbeginn zeige ich euch heute ein paar Fotos von einer Radltour durch München, als sich Anfang September die Sonne wirklich mal für ein paar Stunden sehen ließ.

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Im Englischen Garten blühten bereits die Herbstzeitlosen, die uns zeigen, dass der Sommer – der eigentlich gar keiner war – nun endgültig vorbei ist.

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Da man im Nymphenburger Schlosspark nicht Fahrrad fahren darf, umrundeten wir den Park entlang der Schlossmauer.

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Der südöstliche Eingang erinnert an die Sopranistin Maria Margarethe Danzi, die als eines der vielen kulturellen „Mitbringsel“ des Pfälzer Kurfürsten Karl Theodor nach München kam.

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„Dank“ des feuchten Sommers blühen immer noch die Sonnenblumen auf einem Feld vor dem Schloss Blutenburg.

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Bekannt ist das ehemalige Jagdschloss vor allem durch seine spätgotische Kapelle, die noch weitgehend in ihrer ursprünglichen Form erhalten blieb.

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Tragische Berühmtheit erhielt die mittelalterliche Burg durch ihre ehemaligen Bewohner, den Wittelsbacher Herzog Albrecht III und seine Geliebte, die Augsburger Baderstochter Agnes Bernauer.

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Eine Hommage an das Liebespaar, das um 1430 auf der damaligen „Pluedenburg“ glücklich gelebt hatte, ist dieses vom niederbayerischen Bildhauer Joseph Michael Neustifter gestaltete Denkmal, das witziger Weise – und geschichtlich korrekt! – die beiden in einer Badewanne zeigt.

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Leider durften wir kurz darauf selbst eine „Dusche“ genießen, weil sich diese Wolke zu einem gewaltigen Gewitter entwickelte und wir deshalb unsere Radltour vorzeitig abbrechen mussten.

Weil das Wetter an diesem Wochenende weder zum Bergwandern noch zu einer Radltour einlud, hab ich mich ganz spontan einem Stadtführungs-Spaziergang durch West-Schwabing angeschlossen, der von Stattreisen angeboten wurde.

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Bis zu seiner Eingemeindung Ende des 19. Jahrhunderts hat der als „Münchner Bohème-Viertel“ zu literarischer Berühmtheit gelangte Stadtteil noch ein ruhiges Leben als kleines Bauerndorf vor den Toren der Stadt geführt.

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Genauso wie im Englischen Garten markiert die Burgfriedensäule am Elisabethplatz heute noch die Stelle, wo die Grenze zu Münchens war.

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Beim Spaziergang durch Schwabing trifft man auf Fassaden, die im Jugendstil gestaltet wurden. Diese kunstgeschichtliche Epoche, die auch als „Art nouveau“ bekannt wurde, erhielt ihren Namen durch die 1896 gegründete Münchner illustrierte Kulturzeitschrift „Jugend“.

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Dass aus dem ehemaligen Bauerndorf bald eine beliebte Wohngegend wurde, zeigen die im Historismus gestalteten herrschaftlichen Gebäude.

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Natürlich gehörte damals zum gehobenen Lebensstil auch eine Dienstbotenwohnung über der Remise, wo die Kutschpferde untergebracht waren.

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Auf unserem Spaziergang trafen wir auf die ehemaligen Wohnorte berühmter Maler und Literaten, und fanden auch eine Hinweistafel zur berühmt-berüchtigten Schwabinger „Skandal-Gräfin“, die diesen Namen wohl vor allem wegen ihrer damals revolutionären Ansichten zum Thema „Männer“ erhalten hatte.

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Es wurde aber nicht nur von der Vergangenheit erzählt, sondern wir erlebten Schwabing auch als modernes Viertel, in dem sich noch kleine selbstständige Läden wie z.B. die Buchhandlung Lehmkuhl halten können.

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Dass sich die Zeiten inzwischen doch sehr geändert haben, zeigt nicht zuletzt, dass im ehemaligen „Milchhäusl“ am Elisabethmarkt inzwischen ein Lokal mit Biergarten eingezogen ist. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Bau nämlich vom Arzt und Abstinenzler Carl Brendel angeregt, der persönlich darüber wachte, dass hier jeden Morgen ab 5 Uhr früh Milch ausgegeben wurde, weil er sich die „Eindämmung des Völkergifts Alkohol“ zum Ziel gesetzt hatte.

Und weil die Milch heute noch gesund ist – und weil’s gestern so kalt war! – hab ich mir dort im „Milchstandl“ einen warmen Milchkaffee (natürlich mit Apfelkuchen!) schmecken lassen … 🙂

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