D wie Denkmäler


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In der Barockzeit wurde Schloss Nymphenburg als reines Sommerschloss genutzt und fiel während der kalten Jahreszeit regelmäßig in einen Winterschlaf.

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Heutzutage nimmt spätestens nach dem Oktoberfest die Anzahl der Touristenbusse, die täglich das Schlossrondell anfahren, merklich ab, was aber den Schwänen und Gänsen figurtechnisch sicher gut tut … 🙂

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Doch nicht nur Wasservögel bevölkern den Park im Winter …

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… denn auf den stillen Spazierwegen begegnet man auch anderen Kreaturen.

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Im Gartenparterre der Schlossanlage ersetzen jetzt Schneemänner die barocken Götterfiguren, die in ihren Holzhäuschen warm eingepackt auf den nächsten Frühling warten.

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Im Schlosspark findet man nicht nur architektonische Schätze wie die im Rokoko-Stil erbaute Amalienburg, die dem Kurfürstenpaar als Jagdschlösschen diente, …

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… denn von diesem Balkon aus konnte die jagdbegeisterte Kurfürstin praktischerweise auf Fasane und anderes Niederwild schießen.

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Heute dient der Park nur noch der Erholung und dem Naturschutz wie diese Buche, die bereits als Naturdenkmal gekennzeichnet ist.

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Auch wenn das Schreiben heutzutage nicht mehr so anstrengend wie im Mittelalter ist, hat es jetzt doch zwei Wochen gedauert, bis ich endlich den geplanten Beitrag über einen Studientag zur Romanik in Regensburg veröffentliche.

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Da München zur Zeit des Frühmittelalters gerade erst gegründet war und damals zum Großteil aus Holzhütten bestand, muss man sich schon in eine der damals wichtigsten Metropolen Europas begeben, um romanische Bauten zu erkunden.

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Nicht nur Karl der Große und viele andere bedeutende Herrscher besuchten im Mittelalter die Stadt an der Donau, sie zog auch irische Wandermönche an, die über Schottland auf das Festland kamen und in Regensburg ihr Mutterkloster St. Jakob gründeten.

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Diese Reliefplastik zeigt den Mönch namens Rydan, der vermutlich tatsächlich gelebt hat und sich durch den Schlüssel als Baumeister oder Pförtner des Klosters ausweist.

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(Klick ins Foto zum Vergrößern

In keinem anderen Ort Deutschlands ist ein vergleichbares romanisches Portal erhalten, nur das benediktinische Kloster Santa Maria de Ripoll in Katalonien besitzt ein ähnlich kunstvolles Relief aus dem 12. Jahrhundert an seiner Eingangsfront.

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Die Figuren an dem als „Schottenportal“ bekannten Relief am Eingang der Kirche sind heute nicht mehr leicht zu deuten, vermutlich handelt es sich um die Vorstellung von Himmel und Hölle …

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… und mythologische Tieren als Symbole der Todsünden.

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Eine noch ältere Geschichte hat das ehemalige Benediktinerkloster St. Emmeram, das seit Anfang des 19. Jahrhunderts der Familie Thurn und Taxis als Fürstensitz dient.

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In der Kirche sind noch drei Krypten aus dem 8., 10. und 11. Jahrhundert erhalten, die diesen Ort zu einem einzigartigen Zeugnis der Romanik in Deutschland machen.

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Als Bischofssitz stand Regensburg jahrhundertelang mit seinen Bauvorhaben in einer gewissen Rivalität zu den Klöstern, ein Beispiel dafür ist die romanische Allerheiligenkapelle am Domkreuzgang.

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Dass zu dieser Zeit italienische Baumeister mit dem Bau betraut waren, erkennt der Architekturstudent am „lombardischen Bogenfries“, der uns als eindeutiges Zeichen für die Romanik erklärt wurde.

In meinem letzten Beitrag habe ich ja schon angedeutet, dass man auf alten Grabsteinen viele Symbole erkennen kann, deren Bedeutung heute kaum jemand mehr kennt. So galt der Mohn bereits in der Antike wegen seiner berauschenden und einschläfernden Wirkung als Zwillingsbruder des Todes. Dieses Symbol wurde zu Beginn des 19. Jahrhundert vom Klassizismus wieder aufgenommen, wo die auf Grabmalen häufig dargestellte Pflanze einen sanften Tod symbolisierte.

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Ebenfalls seit der Antike wird der Schmetterling als ein Symbol für die Seele verwendet, da er während seines Lebens eine Metamorphose von einer Raupe zur Puppe und schließlich zu einem erwachsenen Falter durchläuft. Die Raupe ist ein Symbol für das mühsame irdische Dasein der Menschen, das mit der Verpuppung sein Ende findet. Der Falter, der aus der scheinbar leblosen Puppe schlüpft, symbolisiert die den Tod überwindende Seele.

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Auch die Bepflanzung der Gräber kann als Symbol gedeutet werden, z. B. steht der immergrüne Efeu auf dem Friedhof für Unsterblichkeit und ewiges Leben.

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Engel gelten als Sinnbild für die Wegbegleitung, die Flügel der Engel erinnern an den Götterboten Hermes.

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Auch Farben können eine Symbolkraft haben, so steht Lila für die Farbe der Trauer und des Todes.

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Bäume als Symbolpflanzen gehörten schon in der Antike zur Ausstattung der Grabgärten. Bei den Germanen galten Bäume als Sitz des Göttlichen und auch die Kelten verehrten bestimmte Bäume als mystische Wesen und nutzten die Eiben zur Abwehr gegen bösen Zauber.

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Genauso wie die Schlange, die sich in den Schwanz beißt, bilden hier drei Fische einen Kreis als Symbol der Unendlichkeit, können aber auch im christlichen Sinn die Dreieinigkeit symbolisieren.

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Dagegen soll die Schlange auf diesem schmiedeeisernen Grabdenkmal wohl nur an das Märchen „Das Natterkrönlein“ von Ludwig Bechstein erinnern …

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… es kann aber auch ein geheimnisvoller Hinweis sein, den wir heute nicht mehr entschlüsseln können.

Obwohl schon lange niemand mehr auf dem Alten Südlichen Friedhof bestattet wird, übt er doch einen morbiden Charme aus und es läuft mir beim Spaziergang der eine oder andere Schauer über den Rücken.

Dieses reich verzierte Gesicht, das ich dort für Ruthies Projekt „I see faces“ entdeckt habe, schaut dagegen sehr harmlos aus. Der Grund dafür könnte ja die berauschenden Wirkung dieser Mohnkapsel sein, die man wie viele weitere Symbole auf den Grabdenkmälern des 19. Jahrhunderts findet.

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P1050549 Die Blätter fallen,
fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln
ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten
fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen.
Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an:
es ist in allen.

Und doch ist Einer,
welcher dieses Fallen
unendlich sanft
in seinen Händen hält.

Mit diesen wunderbaren Worten hat Rainer Maria Rilke in seinem 1902 erschienene Gedicht nicht nur den Herbst beschrieben, sondern er vergleicht die Jahreszeit auch mit der Vergänglichkeit des Lebens.

Die Gedenktafel ist in der Ainmillerstraße 34 zu finden, wo er bis zu seiner Auswanderung in die Schweiz gewohnt hatte.

Dass sich der Schriftsteller und Lyriker bereits zu Lebzeiten mit dem eigenen Tod auseinandergesetzt hat, zeigt sich daran, dass er sich selbst seine Grabstätte in Raron im Schweizer Kanton Wallis ausgesucht hat.

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Das Grab befindet sich an der Mauer der spätmittelalterlichen Kirche, die hoch über dem Ort auf einem Burghügel thront, …

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… und ist bereits von weitem mit guten Augen (oder einem ausreichenden Tele) zu erkennen.

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Bei diesem Motiv musste ich natürlich sofort an Kalles Katzen denken, aber es eignet sich natürlich auch als Beitrag für Veras Fenster … 😉

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Die Fassade des im neoklassizistischen Jugendstil erbauten Mietshauses zieren Pilaster und fantasievoller Stuckdekor, und auch die Eingangstür kann sich sehen lassen. Es wurde 1899 vom Architektenduo Henry Helbig und Ernst Haiger entworfen und ist in Schwabing, in der Römerstraße 11 zu finden.

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Leider ist mir bei meinem letzten „Engel“ ein Fehler unterlaufen, denn erst auf der Suche nach dem Tier, auf dem die Brunnenfigur im Lenbachgarten sitzt, habe ich bemerkt, dass es sich dabei in Wirklichkeit um Amor handelt. Der Liebesgott aus der Antike wird ja oft mit Flügeln dargestellt, so dass ich ihn schlicht mit einem Engel verwechselt hab – übrigens sitzt er auf einer Gans, die ja als Symbol der Fruchtbarkeit gilt.

Für den Engel, den ich diese Woche bei Sabienes Traumalbum zeige, lege ich aber meine Hand ins Feuer, denn er ziert das Portal der katholischen Stadtpfarrkirche St. Ursula in Schwabing.

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