H wie Heilige


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Es wäre naheliegend, die Sichel in der Hand der weiblichen Figur als Halbmond zu deuten, zumal sich dieser markante Fassadenschmuck in der Türkenstraße 16 befindet. Betrachtet man aber die Figur an der anderen Ecke des Gebäudes etwas genauer, so kann man eine Kette und ein Pferd erkennen, womit eindeutig der Heilige Leonhard gemeint ist, der wie sein weibliches Pendant Notburga vor allem von der ländlichen Bevölkerung verehrt wurde.

Das heute als „Officium“ bezeichnete Gebäude wurde nämlich vor fast 100 Jahren als „Haus der landwirtschaftlichen Genossenschaften““ erbaut. Bis 1977 war dort der Sitz des Bayerischen Raiffeisenverbands, was die volkstümlichen Heiligen an der Fassade erklärt.

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Nach dem „Bierengel“ der vergangenen Woche zeige ich diesmal für Sabienes Traumalbum einen Engel aus der Schlosskapelle Blutenburg.

Er ist Teil der spätgotischen „Verkündigungsgruppe“, die auf auf 1491 datiert wird. Der Altar wurde vermutlich von Jan Pollack, einem der bedeutendsten Künstler seiner Zeit, entworfen.

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Auf dem zweiten Seitenaltar ist Christus als Helfer der Welt zu erkennen.

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Auf dem Hauptbild des Hochaltares ist der Gnadenstuhl mit dem Fronleichnamschristus zu sehen, während auf den Flügeln des Wandelaltares die Taufe Jesu und die Krönung Mariens durch die Heilige Dreifaltigkeit dargestellt wird.

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Natürlich hab ich mir bei unserer Wanderung die Streichenkirche auch von innen angeschaut, so dass ich für Sabienes Traumalbum heute diesen Engel zeigen kann.

Auf den Fresken aus dem 15. und 16. Jahrhundert wird unter anderem auch die Verkündigungsszene dargestellt.

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Die Kirche ist dem Heiligen Servatius geweiht, der als Schutzheiliger gegen Rheumatismus und Frostschäden einer der Eisheiligen geworden ist, was zum augenblicklichen Wetter in den Alpen ja bestens passt 😉

Natürlich findet man an einem barocken Hochaltar nicht nur Engel(sfüßchen) sondern auch ein „Montagsherzerl“ für
Frau Waldspechts Dauerprojekt.

Das brennende Herz, das von zwei Engeln präsentiert wird, symbolisiert die Umwandlung und Reinigung:
„Das Alte ist vergangen, siehe es ist alles neu geworden.“
(2. Korinther 5)

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Schon mehrmals habe ich von der Kirche ohne Dorf berichtet, die nach dem Abbruch der letzten Bauernhöfe als einziges Zeugnis der Vergangenheit übrig blieb. In den 50er Jahren fiel Fröttmaning einer Mülldeponie zum Opfer, nachdem es bereits vor dem Krieg durch den Autobahnbau von den umliegenden Gemeinden abgetrennt war, und heute erinnert nur noch die berühmte Fußballarena an das ehemalige Dorf.

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Nur einer Bürgerinitiative haben wir es zu verdanken, dass die Heilig-Kreuz-Kirche vor dem Verfall beschützt wurde.

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Welches kunsthistorisches Juwel man dort fast abgerissen hätte, wurde allerdings erst bei den Renovierungsarbeiten in den 80er Jahren entdeckt. Unter dem Putz, der schon teilweise von den Wänden abgeblättert war, kamen nach Jahrhunderten die direkt auf die roten Ziegel mit Kalkfarbe gemalten romanischen Fresken wieder zum Vorschein.

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Aber noch eine weitere Überraschung hält der Innenraum, der auf den ersten Blick dem vieler barocker Dorfkirchen Bayerns gleicht, parat.

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Schaut man sich den Fußboden, der noch im Original aus der Bauzeit der Kirche Anfang des 13. Jahrhunderts stammt, genauer an …

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… so entdeckt man vor dem Altar die Abdrücke zwei kleiner Engelsfüßchen, die wohl beim Bemalen der Wände durch die Kalkfarbe gelaufen sind … 😉

So ein feuerroter Sonnenaufgang, den ich als Langschläferin nur selten erlebe, tröstet mich etwas über die kurzen Tage im Winter hinweg.

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„Zu Stephani a Muckngahn, zu Neujahr a Hahnentritt, zu Heilig Drei König a Hirschensprung und zu Maria Lichtmess a ganze Stund.“

Mit dieser Bauernregel wird erklärt, wie schnell sich die Länge des Tages seit der Wintersonnenwende vergrößert: Am 26. Dezember (St. Stephan) einen Mückenschritt, zu Neujahr einen Hahnentritt, am 6. Januar (Fest der Heiligen Drei Könige) einen Hirschsprung, und bis zum 2. Februar (Mariä Lichtmess) wird der Tag schon eine ganze Stunde länger sein.

Und wenn dann am 30. März die Uhren wieder auf „Sommerzeit“ umgestellt werden, verschlafe ich wahrscheinlich die Chance, einen Sonnenaufgang zu erleben, wieder … 😉

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Eine kleine Wanderung führte uns am Sonntag auf die Ratzinger Höhe in der Nähe des Chiemsees.

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Viele denken beim Namen dieses Voralpenhügels vielleicht an Papst Benedikt, den ehemaligen Kardinal Ratzinger. Vermutlich wurde er aber einfach nach dem kleinen Ort Ratzing benannt, der dort oben liegt.

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Es gibt aber auch eine direkte Verbindung: Die Mutter von Josef Ratzinger wohnte nämlich vor ihrer Heirat in Rimsting am Fuß der Ratzinger Höhe.

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Der Blick von dort auf die Chiemgauer Berge mit der Kampenwand, dem Hochgern und Hochfelln ist einfach atemberaubend – davor liegt der Chiemsee mit seinen Inseln.

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Die letzten Rosen, bevor sie die Nachtfröste endgültig erfrieren lassen.

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Unterwegs begegnetem wir einem Marterl der Heiligen Gertrud, die oft mit einer Spindel dargestellt wird. Dieses Symbol weist auf das mythische Erbe der germanischen „Nornen“ hin, die als Schicksalsgöttinnen den Lebensfaden der Menschen spinnen, ihn zumessen und am Ende abschneiden.

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Der Faden am Spinnrocken wird dabei von den Mäusen abgebissen, was sie als Herrin des Todes klassifiziert in der Tradition der alten Göttinnen Freya, Perchta und Holla und ähnlich der ägyptischen Isis. (Quelle: Ökumenisches Heiligenlexikon)

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