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In der Parkanlage “Marienhof” hinter dem Neuen Rathaus lässt sich heute nicht mehr erkennen, dass es hier bis zur Zerstörung im 2. Weltkrieg noch mittelalterliche Bebauung gab. Entlang der ersten Stadtmauer verlief dort auch die Judengasse, an der die 1380 errichtete erste Münchner Synagoge stand.

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1442 ließ Herzog Albrecht III. – genannt »der Fromme« – die Juden aus Bayern ausweisen und Münchens erste Synagoge wurde zu einer Marienkirche geweiht.

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Diese 1340 aus Pappelholz gestaltete Pietà wurde in der ehemaligen Synagoge aufgestellt, und ermöglichte die Umwandlung des jüdischen Gebetshauses in einen christlichen Ort der Marienverehrung. Die Münchner nannten sie “Gruftkirche” und aus der Judengasse wurde die “Gruftstraße”.

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Als die Gruftkirche Anfang des 19. Jahrhunderts im Zuge der Säkularisation abgerissen wurde, brachten Mitglieder der Metzger-Zunft die Pietà in ihre Wallfahrtskirche nach Salmdorf bei Riem.

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Dort ist das ergreifende gotische Andachtsbild heute noch zu sehen, was fast an ein Wunder grenzt, wenn man die Kirchenkunst des Barock dazu vergleicht, in der das Leiden Christi von Engeln verklärt dargestellt wird.

–> Weitere Gedanken zum Karfreitag und der Salmdorfer Pietà

Seit ich mich auf die Spur der Tierkreiszeichen im Münchner Stadtbild begeben habe, finde ich plötzlich an Gebäuden, an denen ich schon oft vorbeigekommen bin, interessante Details.

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Diese Sonne strahlte mir gestern in der Abendsonne entgegen.

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An der interessanten Fassade ist auch dieser Fisch zu finden, ob damit das Tierkreiszeichen “Fische” gemeint ist, muss ich erst noch recherchieren.

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Alle München-Kenner frage ich jetzt aber erst mal, ob sie das Gebäude schon mal gesehen haben – eine Trambahnlinie fährt nämlich direkt daran vorbei … :-)

Gleich zu Beginn der Nachtwächterführung, zu der wir am Freitag eingeladen waren, erfuhren wir, dass der Held des nach ihm benannten “Kasperltheaters” den Namen eines der “Drei Heiligen Könige” trägt. Während der darauf folgenden zwei Stunden bewies uns der Nachtwächter “Kaspar” nicht nur, dass er den Namen eines Spaßmachers zu Recht trägt, sondern überzeugte auch durch sein fundiertes geschichtliches Wissen.

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Bereits beim Treffpunkt an der Mariensäule ließ er ihre Entstehungszeit während des Dreißigjährigen Kriegs lebendig werden, nicht ohne eine paar scherzhafte Seitenhiebe auf die “ungläubigen Ketzer” jenseits der bairischen Grenzen zu verteilen.

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Richtig gruselig wurde es dann beim Gang über den ehemaligen Friedhof am Alten Peter, wo wir in die Bestattungstechniken vergangener Jahrhunderte eingeweiht wurden.

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Während wir auf den Spuren der ehemaligen ersten Stadtmauer die Altstadt umrundeten, gab es hilfreiche Hinweise, wie man der “Torschlusspanik” entkommen kann und Liebesbriefe richtig adressieren sollte, um nicht zu früh “den Kopf zu verlieren” … ;-)

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Doch der “Kaspar” konnte auch ernste Töne anschlagen und spätestens, als von der Theatinerkirche der 10. Glockenschlag erklang, lief jedem ein wohliger Schauer über den Rücken, als er in herrlichem Bariton das “Nachtwächterlied” intonierte:

Hört, ihr Leut, und lasst euch sagen:
unsere Glock hat zehn geschlagen!
Zehn Gebote setzt Gott ein;
gib dass wir gehorsam sein.
Menschenwachen kann nichts nützen,
Gott muss wachen, Gott muss schützen.
Herr, durch Deine Güt’ und Macht
schenk uns eine gute Nacht!”

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Widderköpfe am Obelisk auf dem Karolinenplatz

Mit dem Frühlingsbeginn am 21. März trat die Sonne in das Tierkreiszeichen “Widder” ein, mit dem ein neuer Zyklus beginnt. Passend dazu boten die “Stadtspürer” am Samstag eine Führung mit dem Thema “Sonne, Mond und München” an. Meine – ziemlich naive – Erwartung war, dass wir uns bei diesem Spaziergang auf die Suche nach Abbildungen der verschiedenen Tierkreiszeichen im Stadtbild begeben würden.

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Das Zwillingspaar Castor & Pollux vor der Akademie der Künste

Umso erstaunter war ich, bei diesem Rundgang einen völlig neuen Blick auf die mir so vertrauten Straßen und Plätze zu bekommen, denn der gesamte Tierkreis selbst lässt sich in der Struktur der Altstadt erkennen. Auf unserem – natürlich im Osten beginnenden! – Weg begegneten wir im traditionsbewussten und trotzdem weltoffenen Angerviertel den Tierkreiszeichen Widder, Stier und Zwillinge, im ehemals von Handwerkern geprägten Hackenviertel entdeckten wir die Sternzeichen Krebs, Löwe und Jungfrau.

Ich freu mich schon sehr auf den zweiten Teil, der dann durch das Kreuzviertel und die Graggenau auf der Suche nach Waage bis Fische führt – der Termin steht leider noch nicht fest, aber ich werde berichten!

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Diese beiden kräftigen “Kerle” zeigen ab sofort ordentlich “Biss”, wenn es drauf ankommt, eine etwas bequeme Radlerin samt Begleiter den Berg hochzukriegen … ;-)

Allerdings hab ich erst beim Aufladen der beiden Akkus die “bissigen Gesichter” für Ruthies Projekt “I see faces” entdeckt … ;-)

Wir haben es also “getan” und leisten uns nun auch “souveräne Laufruhe und lautlose Tretunterstützung bis 25 km/h”, wie es im Prospekt unserer neuen E-Bikes so schön beschrieben wird.

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Wieviel Spaß es macht, mit etwas “elektronischem Rückenwind” unterwegs zu sein, kann man auf dem Foto unschwer erkennen … ;-)

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Es war aber auch eine Wonne, zum Einradeln auf dem verkehrsfreien ehemaligen Flugfeld des Fliegerhorsts Neubiberg, der in den letzten Jahren zum Landschaftspark Hachinger Tal umgestaltet wurde, unterwegs zu sein.

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Frühling – wir kommen! :-)

Was viele Besucher an der bayerischen Landeshauptstadt ganz besonders lieben ist die “Gemütlichkeit” und “dass alles so bleibt, wie’s immer war”. Dabei gibt es auch in München Orte, an die man lieber nicht so gerne erinnert wird.

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Bereits 1946 entstand am Altstadtring gegenüber der ehemaligen Zentrale der “Gestapo” der “Platz der Opfer des Nationalsozialismus”, doch bis heute wurden diesem Ort bewusst keine Briefadressen zugeordnet.

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In den vergangenen Monaten erfolgte eine Neugestaltung des Platzes mit einer großen bronzenen Tafel, auf der allen aus rassistischen oder politischen Gründen oder wegen ihrer Behinderung verfolgten Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft gedacht wird.

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Es bleibt zu hoffen, dass der Platz nun endlich seine angemessene Beachtung im Stadtbild erreicht.

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Wenn wir nun der Brienner Straße in westlicher Richtung folgen, treffen wir kurz vor dem Königsplatz auf einen weiteren “Lern- und Erinnerungsort”, der zur Zeit auf dem ehemaligen Gelände des “Braunen Hauses” entsteht.

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Fast 70 Jahre nach Kriegsende zeigt München mit dem NS-Dokumentationszentrum dann endlich, dass es aus seiner Geschichte als “Hauptstadt der Bewegung” etwas gelernt hat.

Was wäre passender als euch nach meiner langen Winterpause auf einen Frühlingsspaziergang durch München mitzunehmen?

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Beginnen wir also am Hofgartentor, Leo von Klenzes erstem Bauwerk in München, mit dem sich der geniale Architekt als Meister des Klassizismus bewies.

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Gleich hinter dem klassizistischen Eingangstor begegnen sich im Hofgarten mit diesen beiden Kuppeln die Baustile der Renaissance und des Historismus, denn zwischen der Entstehung der beiden Gebäude liegen fast 300 Jahre.

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Der Pavillon in der Mitte der Parkanlage wird meist als “Dianatempel” bezeichnet, obwohl er von der Göttin „Bavaria“ gekrönt wird. Zu erkennen ist sie an ihren fünf Attributen, die den Reichtum des Landes symbolisieren: ein Salzfass für den Handel, ein Hirschfell für die Jagden, die Reuse für den Fischreichtum der Gewässer, die Ährengarbe für die Landwirtschaft und den Kurapfel für die politische Macht.

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Während die drei jungen Mütter ihre Kinderwägen in der Frühlingssonne in Richtung der Bayerischen Staatskanzlei weiterschieben, wenden wir uns nach einem Blick auf die Kuppel des ehemaligen Armeemuseums nach links in Richtung Englischer Garten.

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Im Zuge der Kanalisation verschwanden die meisten Stadtbäche im Münchner Stadtbild, doch anlässlich des Baus der Bayerischen Staatskanzlei wurde der historische Köglmühlbach wieder ans Licht geholt und darf ein paar hundert Meter oberirdisch fließen, bevor er sich in einer Kaskade in den Englischen Garten ergießt und den gesamten Park als Schwabinger Bach durchquert.

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Dank der warmen Temperaturen der vergangenen Wochen blühen bereits die Forsythien im Park.

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Auch den 1836 auf einem kleinen Aussichtshügel errichteten Monopteros entwarf Leo von Klenze im klassizistischen Stil.

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Bereits 1789 entstand der Chinesische Turm nach dem Vorbild der doppelt so hohen „Großen Pagode“ im königlichen Schlossgarten Kew Gardens in London, die sich wiederum an einer Majolikapagode in den Gärten eines chinesischen Kaisers (Xiangshan-Park, Peking) orientierte.

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Und wer nach dem Spaziergang Durst bekommen hat, darf sich jetzt unter den gerade aufspringenden Kastanienknospen im mit seinen 7.000 Sitzplätzen zweitgrößten Biergarten Münchens eine Mass gönnen … ;-)

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