Wie in jedem Jahr nimmt Ende September in München die “Herzerl-Dichte” schlagartig zu, so dass mir ganz bestimmt die “Montagsherzerl” für Frau Waldspecht noch lange nicht ausgehen … :-)

Zur Zeit gibt es hier ja kaum ein Geschäft, das seine Schaufenster nicht mit Wiesnherzln schmückt – und in der Schrannenhalle “im Herzen Münchens” baumeln sie sogar von der Decke.

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Weil das Wetter an diesem Wochenende weder zum Bergwandern noch zu einer Radltour einlud, hab ich mich ganz spontan einem Stadtführungs-Spaziergang durch West-Schwabing angeschlossen, der von Stattreisen angeboten wurde.

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Bis zu seiner Eingemeindung Ende des 19. Jahrhunderts hat der als “Münchner Bohème-Viertel” zu literarischer Berühmtheit gelangte Stadtteil noch ein ruhiges Leben als kleines Bauerndorf vor den Toren der Stadt geführt.

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Genauso wie im Englischen Garten markiert die Burgfriedensäule am Elisabethplatz heute noch die Stelle, wo die Grenze zu Münchens war.

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Beim Spaziergang durch Schwabing trifft man auf Fassaden, die im Jugendstil gestaltet wurden. Diese kunstgeschichtliche Epoche, die auch als “Art nouveau” bekannt wurde, erhielt ihren Namen durch die 1896 gegründete Münchner illustrierte Kulturzeitschrift “Jugend”.

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Dass aus dem ehemaligen Bauerndorf bald eine beliebte Wohngegend wurde, zeigen die im Historismus gestalteten herrschaftlichen Gebäude.

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Natürlich gehörte damals zum gehobenen Lebensstil auch eine Dienstbotenwohnung über der Remise, wo die Kutschpferde untergebracht waren.

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Auf unserem Spaziergang trafen wir auf die ehemaligen Wohnorte berühmter Maler und Literaten, und fanden auch eine Hinweistafel zur berühmt-berüchtigten Schwabinger “Skandal-Gräfin”, die diesen Namen wohl vor allem wegen ihrer damals revolutionären Ansichten zum Thema “Männer” erhalten hatte.

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Es wurde aber nicht nur von der Vergangenheit erzählt, sondern wir erlebten Schwabing auch als modernes Viertel, in dem sich noch kleine selbstständige Läden wie z.B. die Buchhandlung Lehmkuhl halten können.

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Dass sich die Zeiten inzwischen doch sehr geändert haben, zeigt nicht zuletzt, dass im ehemaligen “Milchhäusl” am Elisabethmarkt inzwischen ein Lokal mit Biergarten eingezogen ist. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Bau nämlich vom Arzt und Abstinenzler Carl Brendel angeregt, der persönlich darüber wachte, dass hier jeden Morgen ab 5 Uhr früh Milch ausgegeben wurde, weil er sich die “Eindämmung des Völkergifts Alkohol” zum Ziel gesetzt hatte.

Und weil die Milch heute noch gesund ist – und weil’s gestern so kalt war! – hab ich mir dort im “Milchstandl” einen warmen Milchkaffee (natürlich mit Apfelkuchen!) schmecken lassen … :-)

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Leider ist mir bei meinem letzten “Engel” ein Fehler unterlaufen, denn erst auf der Suche nach dem Tier, auf dem die Brunnenfigur im Lenbachgarten sitzt, habe ich bemerkt, dass es sich dabei in Wirklichkeit um Amor handelt. Der Liebesgott aus der Antike wird ja oft mit Flügeln dargestellt, so dass ich ihn schlicht mit einem Engel verwechselt hab – übrigens sitzt er auf einer Gans, die ja als Symbol der Fruchtbarkeit gilt.

Für den Engel, den ich diese Woche bei Sabienes Traumalbum zeige, lege ich aber meine Hand ins Feuer, denn er ziert das Portal der katholischen Stadtpfarrkirche St. Ursula in Schwabing.

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Zur Zeit schaffe ich es mal wieder nicht, die Fotos zu den verschiedenen Blog-Aktionen pünktlich zu veröffentlichen, obwohl mir ständig irgendwelche Herzerl oder Engerl “über den Weg laufen” … :-)

Mit ein bisserl Verspätung zeige ich deshalb heute für Sabienes Traumalbum diesen Engel, der einen Brunnen in dem wunderschönen Garten des Lenbachhauses ziert.

Lenbachgarten

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Auch nach der Renovierung zum Palais an der Oper hat das in den vergangenen Jahren als Hauptpost genutzte Gebäude eindeutig sein “italienisches Flair” behalten. Allerdings sind die streng geheimen “ausländische Investoren” wohl mehr im Osten zu suchen, so dass die Münchner die Edelimmobilie am Max-Joseph-Platz auch als “Russenpalast” bezeichnen.

Münterhaus

Einen ganz anderen Baustil hat dieses von Zeitgenossen abfällig als “Russenhaus” bezeichnete Wohnhaus von Gabriele Münter in Murnau, in dem sie Anfang des 20. Jahrhunderts mit Wassily Kandinsky gelebt hat. Ab 12. September widmet das Stadtmuseum ihr und weiteren Künstlerinnen, die um die Jahrhundertwende nach München kamen, eine Ausstellung unter dem Titel “Ab nach München!”

Für Ruthies Projekt “I see faces” hab ich diese beiden Kerle mit den dicken Rüsseln entdeckt, deren Funktion mir aber leider nicht ganz klar ist.

Da auf einem darüber angebrachten Schild “Löschwassereinspeisung” steht, geh ich mal davon aus, dass sich hier die Feuerwehr bedienen darf, aber fachlich korrekt kann das wohl nur die in Bloggerkreisen bestens bekannte “Wasser- und Entsorgungs-Spezialistin” erklären … ;-)

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Durch einen anderen Bildausschnitt wird aus dem Korrosionsobjekt von gestern ein “Montagsherzerl” für Frau Waldspecht:-)

Inzwischen finden sich nämlich die “Liebes-Schlösser”, die auch als “rostige Romantik” bezeichnet werden, nicht nur an Brücken und Laternen, sondern zeugen auch hoch oben am Berg von “ewiger Liebe”.

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Dazu weht dann auch noch ein herziges Geschenkbandl in luftiger Höh’ im Wind – wenn das nicht romantisch ist! ;-)

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