Als sich vor fast 300 Jahren Kurfürst Maximilian II. Emanuel im Nymphenburger Schlosspark die Badenburg bauen ließ, war dies für seine Zeitgenossen wohl nur ein weiteres Zeichen seiner Exzentrik.

Das Vergnügungsschloss betritt man durch den Festsaal, der mit prächtigen Stukkaturen und einem Gewölbefresko ausgestattet ist.

Ein mit Affenszenen verzierter Plafond schmückt einen Raum des kurfürstlichen Appartements, das aus vier mit chinesischen Papiertapeten ausgestatteten Räumen besteht.

Im Untergeschoss befindet sich ein 8,70 mal 6,10 Meter großes und 1,45 Meter tiefes Becken, in dem man schwimmen könnte. Nymphen und Najaden zieren die Decke des mit Stuckmarmor verkleideten Badesaals, der mit friesischen Kacheln ausgeschmückt ist und sogar über eine Galerie für Gäste verfügt.

Seit dem Mittelalter hatte man sich förmlich in eine regelrechte Wasserphobie hineingesteigert, denn Wasser galt als Keim aller Krankheiten, was zumindest bei Pest und Cholera ja auch zutraf.

Da die Menschen im Zeitalter des Barock immer noch fürchteten, dass über das Wasser durch die Poren der Haut Krankheiten übertragen würden, betrieben sie die Körperpflege fast ohne Wasser. Sie rieben sich nur mit feuchten Tüchern ab und zogen das Pudern dem Baden eindeutig vor.

Vor diesem geschichtlichen Hintergrund ist es umso erstaunlicher, dass mit dem von Joseph Effner in den Jahren 1719 bis 1721 geschaffenen Bauwerk das erste beheizbare Hallenbad der Neuzeit, das ausschließlich dem Badevergnügen am Hof dienen sollte, entstand.