Gleich zu Beginn der Nachtwächterführung, zu der wir am Freitag eingeladen waren, erfuhren wir, dass der Held des nach ihm benannten „Kasperltheaters“ den Namen eines der „Drei Heiligen Könige“ trägt. Während der darauf folgenden zwei Stunden bewies uns der Nachtwächter „Kaspar“ nicht nur, dass er den Namen eines Spaßmachers zu Recht trägt, sondern überzeugte auch durch sein fundiertes geschichtliches Wissen.

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Bereits beim Treffpunkt an der Mariensäule ließ er ihre Entstehungszeit während des Dreißigjährigen Kriegs lebendig werden, nicht ohne eine paar scherzhafte Seitenhiebe auf die „ungläubigen Ketzer“ jenseits der bairischen Grenzen zu verteilen.

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Richtig gruselig wurde es dann beim Gang über den ehemaligen Friedhof am Alten Peter, wo wir in die Bestattungstechniken vergangener Jahrhunderte eingeweiht wurden.

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Während wir auf den Spuren der ehemaligen ersten Stadtmauer die Altstadt umrundeten, gab es hilfreiche Hinweise, wie man der „Torschlusspanik“ entkommen kann und Liebesbriefe richtig adressieren sollte, um nicht zu früh „den Kopf zu verlieren“ …😉

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Doch der „Kaspar“ konnte auch ernste Töne anschlagen und spätestens, als von der Theatinerkirche der 10. Glockenschlag erklang, lief jedem ein wohliger Schauer über den Rücken, als er in herrlichem Bariton das „Nachtwächterlied“ intonierte:

Hört, ihr Leut, und lasst euch sagen:
unsere Glock hat zehn geschlagen!
Zehn Gebote setzt Gott ein;
gib dass wir gehorsam sein.
Menschenwachen kann nichts nützen,
Gott muss wachen, Gott muss schützen.
Herr, durch Deine Güt’ und Macht
schenk uns eine gute Nacht!“