G wie Gebäude


Weil das Wetter an diesem Wochenende weder zum Bergwandern noch zu einer Radltour einlud, hab ich mich ganz spontan einem Stadtführungs-Spaziergang durch West-Schwabing angeschlossen, der von Stattreisen angeboten wurde.

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Bis zu seiner Eingemeindung Ende des 19. Jahrhunderts hat der als “Münchner Bohème-Viertel” zu literarischer Berühmtheit gelangte Stadtteil noch ein ruhiges Leben als kleines Bauerndorf vor den Toren der Stadt geführt.

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Genauso wie im Englischen Garten markiert die Burgfriedensäule am Elisabethplatz heute noch die Stelle, wo die Grenze zu Münchens war.

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Beim Spaziergang durch Schwabing trifft man auf Fassaden, die im Jugendstil gestaltet wurden. Diese kunstgeschichtliche Epoche, die auch als “Art nouveau” bekannt wurde, erhielt ihren Namen durch die 1896 gegründete Münchner illustrierte Kulturzeitschrift “Jugend”.

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Dass aus dem ehemaligen Bauerndorf bald eine beliebte Wohngegend wurde, zeigen die im Historismus gestalteten herrschaftlichen Gebäude.

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Natürlich gehörte damals zum gehobenen Lebensstil auch eine Dienstbotenwohnung über der Remise, wo die Kutschpferde untergebracht waren.

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Auf unserem Spaziergang trafen wir auf die ehemaligen Wohnorte berühmter Maler und Literaten, und fanden auch eine Hinweistafel zur berühmt-berüchtigten Schwabinger “Skandal-Gräfin”, die diesen Namen wohl vor allem wegen ihrer damals revolutionären Ansichten zum Thema “Männer” erhalten hatte.

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Es wurde aber nicht nur von der Vergangenheit erzählt, sondern wir erlebten Schwabing auch als modernes Viertel, in dem sich noch kleine selbstständige Läden wie z.B. die Buchhandlung Lehmkuhl halten können.

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Dass sich die Zeiten inzwischen doch sehr geändert haben, zeigt nicht zuletzt, dass im ehemaligen “Milchhäusl” am Elisabethmarkt inzwischen ein Lokal mit Biergarten eingezogen ist. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Bau nämlich vom Arzt und Abstinenzler Carl Brendel angeregt, der persönlich darüber wachte, dass hier jeden Morgen ab 5 Uhr früh Milch ausgegeben wurde, weil er sich die “Eindämmung des Völkergifts Alkohol” zum Ziel gesetzt hatte.

Und weil die Milch heute noch gesund ist – und weil’s gestern so kalt war! – hab ich mir dort im “Milchstandl” einen warmen Milchkaffee (natürlich mit Apfelkuchen!) schmecken lassen … :-)

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Auch nach der Renovierung zum Palais an der Oper hat das in den vergangenen Jahren als Hauptpost genutzte Gebäude eindeutig sein “italienisches Flair” behalten. Allerdings sind die streng geheimen “ausländische Investoren” wohl mehr im Osten zu suchen, so dass die Münchner die Edelimmobilie am Max-Joseph-Platz auch als “Russenpalast” bezeichnen.

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Einen ganz anderen Baustil hat dieses von Zeitgenossen abfällig als “Russenhaus” bezeichnete Wohnhaus von Gabriele Münter in Murnau, in dem sie Anfang des 20. Jahrhunderts mit Wassily Kandinsky gelebt hat. Ab 12. September widmet das Stadtmuseum ihr und weiteren Künstlerinnen, die um die Jahrhundertwende nach München kamen, eine Ausstellung unter dem Titel “Ab nach München!”

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Für die Aktion “Send me an Angel” bei Sabienes Traumalbum zeige ich euch heute einen “königstreuen” Engel, der mir jedes Mal auffällt, wenn ich mit der Tram an diesem Eckhaus vorbeifahre. Mit dem Reliefporträt des Prinzregenten Luitpold wollten die Bewohner der Ende des 19. Jahrhunderts im neubarocken Stil gebauten Villa wohl ihre Verbundenheit mit dem Haus Wittelsbach demonstrieren.

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Wo genau sich das Gebäude befindet, verrate ich jetzt noch nicht, denn um zu sehen, ob hier überhaupt noch ein paar München-Kenner mitlesen, mach ich jetzt einfach ein Rätsel daraus:

Wem ist denn dieser Engel auch schon mal aufgefallen?

Kaum bin ich aus dem Urlaub zurück, schenkt uns der Sommer wieder das herrlichste Biergartenwetter!

Da ist es nur naheliegend, das heutige “Montagsherzerl” für euch und Frau Waldspecht aus dem berühmtesten Biergarten Münchens mitzubringen. Leider (oder Gottseidank?) kann man die Musik, die vom Chinesischen Turm im Hintergrund ertönte, auf dem Foto nicht hören … ;-)

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Aber zumindest kann ich euch die Abendstimmung zeigen, als sich der Himmel rosa verfärbte – einfach hinreißend!

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rostparade_logo Normalerweise heißt es ja immer, dass Männer nicht älter sondern nur reifer werden, aber zumindest nagt der Zahn der Zeit bei diesen Hinweisschildern an beiden Geschlechtern gleichermaßen … :-)

Zu finden ist dieses im wahrsten Sinn des Wortes “stille Örtchen” auf dem Waldfriedhof Solln und kommt nun noch schnell vor Ultimo des Monats Juni für Frau Tonaris “Rostparade” zum Einsatz.

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Als sich vor fast 300 Jahren Kurfürst Maximilian II. Emanuel im Nymphenburger Schlosspark die Badenburg bauen ließ, war dies für seine Zeitgenossen wohl nur ein weiteres Zeichen seiner Exzentrik.

Das Vergnügungsschloss betritt man durch den Festsaal, der mit prächtigen Stukkaturen und einem Gewölbefresko ausgestattet ist.

Ein mit Affenszenen verzierter Plafond schmückt einen Raum des kurfürstlichen Appartements, das aus vier mit chinesischen Papiertapeten ausgestatteten Räumen besteht.

Im Untergeschoss befindet sich ein 8,70 mal 6,10 Meter großes und 1,45 Meter tiefes Becken, in dem man schwimmen könnte. Nymphen und Najaden zieren die Decke des mit Stuckmarmor verkleideten Badesaals, der mit friesischen Kacheln ausgeschmückt ist und sogar über eine Galerie für Gäste verfügt.

Seit dem Mittelalter hatte man sich förmlich in eine regelrechte Wasserphobie hineingesteigert, denn Wasser galt als Keim aller Krankheiten, was zumindest bei Pest und Cholera ja auch zutraf.

Da die Menschen im Zeitalter des Barock immer noch fürchteten, dass über das Wasser durch die Poren der Haut Krankheiten übertragen würden, betrieben sie die Körperpflege fast ohne Wasser. Sie rieben sich nur mit feuchten Tüchern ab und zogen das Pudern dem Baden eindeutig vor.

Vor diesem geschichtlichen Hintergrund ist es umso erstaunlicher, dass mit dem von Joseph Effner in den Jahren 1719 bis 1721 geschaffenen Bauwerk das erste beheizbare Hallenbad der Neuzeit, das ausschließlich dem Badevergnügen am Hof dienen sollte, entstand.

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Auch wenn dieser farbenfroh geschmückte Baum vor der “Galerie Handwerk” in der Ottostraße gute Laune macht …

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… wird er vom Duft des echten Flieders, der schon seit Mitte April blüht, eindeutig übertroffen!

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Und wenn’s dazwischen doch mal regnet, bietet die 160 Jahre alte Schrannenhalle Schutz vor Nässe und Kälte beim Shoppen.

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Jahrhundertelang befand sich der Getreidemarkt am Marienplatz, der damals noch Schrannenplatz hieß, erst 1854 wurde er in die dafür neu erbaute Getreidehalle am Viktualienmarkt verlegt.

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Als die Eisen- und Glaskonstruktion 1932 nach einem Brand demontiert wurde, lagerte man die Bauteile bei den Stadtwerken München in der Dachauer Straße, erst beim Wiederaufbau im Jahr 2003 erhielten die Originalsäulen ihre alte Funktion zurück.

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Seitdem bieten Geschäfte, Cafés und Bistros in der Schrannenhalle alles an, was das Herz begehrt, und wollen damit ein bisschen an “Les Halles”, den “Bauch von Paris” erinnern.

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Irgendwann kommt dann auch wieder die Sonne raus, so dass man es sich noch im Biergarten gemütlich machen kann, der in der ehemaligen “Freibank” eingerichtet wurde.

Und so wünsche ich Euch allen ein frohes und genussvolles Osterfest!

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